Stellungnahme des Forums Demokratische Linke e.V. zur Abberufung der Historischen Kommission bei dem Parteivorstand der SPD

Der Parteivorstand hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause die Historische Kommission aufgelöst und den Schatzmeister der SPD, Dietmar Nietan, zum Beauftragten für historische Fragen bestellt. Dies geschah überwiegend aus Kostengründen.

In einer Zeit, in der  die Demokratie in Gefahr ist, in der von vielen Seiten befürchtet wird, dass sich das Ende der Weimarer Republik wiederholt, in die AfD im Bundestag und zahlreichen Landesparlamenten vertreten ist und unverhohlen den Umsturz ankündigt,  löst der Parteivorstand seine historische Kommission auf und beauftragt einen Nicht-Historiker mit der Lösung historischer Fragen.

Aus der Geschichte nichts gelernt? Ist der Name einer Facebook-Gruppe, die Veröffentlichungen sammelt, die sich mit der Entwicklung der Neuen Rechten beschäftigen.

Aus der Geschichte nichts gelernt? Fragt man sich, wenn man die Entscheidung des SPD-Parteivorstandes zur Kenntnis nimmt.

Aber nicht nur die Geschichte der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus gilt es für eine sozialdemokratische Politik des „heute“ zu bearbeiten, sondern auch die neuere deutsche und europäische Geschichte, wie auch die außereuropäische Geschichte. An dieser Stelle sei beispielhaft auf die Folgen des Kolonialismus für die heutige politische Situation in Afrika, Südamerika  und Asien gedacht, ebenso an die Fortsetzung desselben durch Ausbeutung von Rohstoffen und Land Grabbing von agrarisch nutzbaren Flächen für die Ernährung der europäischen Bevölkerung.

Das Forum Demokratische Linke e.V.  empfiehlt dem Parteivorstand daher dringend, wieder eine historische Kommission einzusetzen. Diese sollte im obigen Umfang fachlich breit gefächert und zudem geschlechterparitätisch besetzt sein. Habilitation oder Promotion sollte keine zwingende Voraussetzung sein, auch mit einem Master- oder Magisterabschluss hat man gelernt, wissenschaftlich historisch zu arbeiten. Gleichzeitig sollte durch eine Geschäftsordnung geregelt werden, in welchem Turnus die Besetzung der Kommission überprüft wird.