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Meldung vom 25.02.2010:
Die Grenzen des Wachstums - DL21/Umweltforum-Zukunftsdiskussion in Börnsen
Das Forum DL21 in Hamburg und Schleswig-Holstein, das SPD-Umweltforum Schleswig-Holstein und das Hamburger umweltforum hatten am 19.2. zur Fragestellung: "Nach Kopenhagen: Wie viel Wachstum verträgt die Erde?" zu einer Veranstaltung ins Bürgerhaus nach Börnsen eingeladen. Neben Müller diskutierten MdBü Monika Schaal aus Hamburg, MdL Olaf Schulze aus Geesthacht, Stefan Bolln vom SPD-Landesvorstand und Bürgermeister Walter Heisch aus Börnsen die Frage, wie eine Gesellschaft organisiert sein müsse, bei der nicht mehr zahlenmäßiges Wachstum der Wirtschaft im Mittelpunkt stehe.
Wirtschaftswachstum ist nach Auffassung des früheren Umweltstaatssekretärs Michael Müller keine Lösung für die gegenwärtigen Probleme auf der Welt. Im Gegenteil: Die Staaten der Welt müssten sich auf eine "nachhaltige Entwicklung" umstellen, die auch für künftigen Generationen ausreichende Lebensbedingungen auf unserem Globus sichere. Michael Müller, Vorsitzender der deutschen Naturfreunde, auf einer Tagung des SPD-Umweltforums in Börnsen: "Wir wissen das schon lange. Aber die Politik hat diese Erkenntnis nie wahrgenommen."
Michael Müller, der Deutschland in den vergangenen Jahren auf vielen internationalen Klima-Konferenzen vertreten hat, wies darauf hin, dass in den letzten 35 Jahren 1/3 des "Reichtums" der Erde an natürlichen Ressourcen verloren gegangen sei, mehr als in den 800 Jahren zuvor. Die Konzentration von CO2 liege zur Zeit bei 385 ppm (Anteile pro Millionen Anteile Luft) und nehme jährlich um zwei ppm zu. Damit werde die Atmosphäre in den nächsten 30-35 Jahren um insgesamt zwei Grad aufgeheizt. Schon das bedeute ein rapides Abschmelzen der Alpengletscher mit Niedrigwasser und Trockenheit im Sommer und eine große Verstärkung der Hungersnot vor allem in Afrika. Zur Umkehr sei nur noch wenig Zeit. Beim Klimagipfel in Kopenhagen seien die Bemühungen um einen neuen Vertrag vor allem an den Wirtschaftsinteressen von China und den USA gescheitert.
Monika Schaal kritisierte in diesem Zusammenhang die Klimapolitik der Hansestadt Hamburg, die 2011 auch noch "Umwelthauptstadt Europas" werden solle. Das in Moorburg geplante Kohlekraftwerk werde zur Stromlieferung nicht gebraucht, gebe jedoch jährlich acht Mio. Tonnen CO2 ab – genauso viel wie Hamburg bis 2020 einsparen wolle. Auch die Abholzung von 3000 Bäumen in Wilhelmsburg für die Internationale Gartenbauausstellung widerspreche dem Anspruch der "Umwelthauptstadt".
Stefan Bolln markierte das Ziel der schleswig-holsteinischen SPD, bis 2050 völlig ohne fossile Brennstoffe auszukommen. Es gehe jetzt darum, Speicherkapazitäten für Erneuerbare Energien zu entwickeln. Olaf Schulze, energiepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, unterstützte die Bemühungen in Schleswig-Holstein um die Dezentralisierung und Rekommunalisierung der Energieversorgung und eine Renaissance der Stadtwerke. Dies stärke auch die regionale mittelständische Wirtschaft, die stärker als bisher am Ausbau beteiligt werde und eröffne verbesserte Chancen für Erneuerbare Energien. Walter Heisch stellte die Energiepolitik seiner Gemeinde vor, die sehr früh auf einen eigenen Gas- und Wärmedienst gesetzt habe.
Michael Müller wandelte in seinem Schlusswort nach drei Stunden Diskussion ein Zitat von Rosa Luxemburg um. Sie habe vor 100 Jahren "Sozialismus oder Barbarei" gerufen. Heute müsse es heißen: "Nachhaltigkeit oder Gewalt". Die Konflikte um Nahrung und Wasser in der Welt würden sich verschärfen, wenn nicht noch rechtzeitig in eine andere Form des Wirtschaftens umgesteuert würde.
Eckart Kuhlwein
Kontakt: kuhlwein(at)naturfreunde.de
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