
Tim Rohardt ist Politologe und systemischer Berater für Wissensentwicklung und Visualisierung. Er hat den Band "Zeit für Frieden, Sozialdemokratische Beiträge zur Friedens- und Sicherheitspolitik" mit herausgegeben und dort u.a. den Aufsatz: "Sicherheitspolitik: Ausnahmenzustand in Wort und Bild" veröffentlicht. Er betreut das Mikro-Artikel Projekt "Für eine Zeitenwende" des Forum DL21 e.V.
Der Staat, die Mitte, Sicherheit, Kündigung
Sönke Paulsen schreibt in seinem Kommentar zu dem Artikel: „Konsequent links profilieren“ von Thomas Jakob, dass wir einer grundsätzlichen Diskussion bedürfen. Ich möchte dazu einen radikalen Schritt vorschlagen.
Ausgangspunkt
Konjunkturbeschwörungen und Steuerpräsente und mit ihr der Mythos „Mitte, Markt, weiter so“ bestimmten den politischen Mainstream. Ein gefährlicher Weg.
Einsichten:
Sönkes Analyse ist, dass die Verlierer damit getröstet werden, dass sie potentielle Gewinner sind, wenn sie sich nur genug anstrengen. Eine Zwecklüge.
Sönke zu Folge haben wir es immer weniger mit einer Mitte zu tun, die den Staat und die Gesellschaft trägt und zusammenhält. Wir hätten es mit einer Mitte zu tun, die sich oben festhält und nach unten tritt. Das sei eine sehr zweifelhafte Mitte, die keinesfalls solidarisch orientiert ist. Dennoch verkörpere diese Mitte die gesellschaftliche Macht und bestimme, wo es langgeht. Wer da nicht mehr mitmachen möchte, dem drohe eine Randstellung. Sei es links oder rechts. Sönke: „Die Mitte grenzt aus!“
Folgerungen / Forderungen:
Er fordert, dass das Solidarprinzip nicht dazu missbraucht werden darf, den Menschen weiterhin jeden Schritt vorzuschreiben, den sie tun dürfen. Das gilt für Hartz-IV Empfänger genauso wie für Unternehmensgründer. Ein starker Staat dürfe auch keine linke Ideologie sein, sondern müsse als pragmatische Notwendigkeit bei einem zunehmenden globalen kapitalistischen Wettbewerb verstanden werden. So könnten wir Schritt für Schritt die Mitte unserer Gesellschaft erobern.
Man müsse fragen, wo denn der Staat sein solle: „Nicht in der Mitte? Links von der Mitte? Rechts von der Mitte?“ Für sein politisch ästhetisches Empfinden müsste sich der Staat natürlich genau in der Mitte unserer Gesellschaft befinden. Das ist auch mein Empfinden und von dort aus gilt es, nicht Exklusion zu organisieren, sondern Teilhabe – und zwar mit Strukturen, die der Tatsache gerecht werden, dass bereits 60 % aller Arbeitnehmerverhältnisse flexibilisiert sind. An diesem Punkt gilt es erneut auf den Artikel von Claudia Bogedan in diesem Blog hinzuweisen, die das Prinzip von Sicherheit und Flexibilität des Arbeitsmarktkonzeptes „Flexicurity“ bewirbt, in welchem auf der Basis einer primären, vorrangigen, verlässlichen und hohen Sicherheitsleistung des Staates kein Kündigungsschutz besteht.
Die Wirtschaft kann wirtschaften und der Arbeitnehmer kann trotzdem ein Leben in Sicherheit planen, zum Beispiel: Familie, Haus, Garten - wer es mag.
Vision
Mit Sönke möchte auch ich sagen, dass wir Linken heute die große Bedeutung des Staates in dieser grundsätzlichen Krise betonen sollten. Aber wir sollten staatliche Gängelung beenden und gegen Überregulierung kämpfen. Gerade linke Politiker haben in den letzten 10 Jahren unser gesellschaftliches Leben im Übermaße reglementiert und unfreier gemacht, als je zuvor. Mit Matthias Machnig möchte ich sagen: Wir brauchen eine intellektuelle Anstrengung – und nur mal zu überlegen, den heiligen Kündigungsschutz für eine echte staatlicherseits garantierte Sicherheit aufzugeben, darf nicht zu visionär sein. Ich möchte die Vision formulieren, dass in Zukunft jeder tut was er gut kann: Die Wirtschaft wirtschaftet und der Staat sorgt für Sicherheit; vornehmlich „soziale Sicherheit“ – wohlgemerkt!
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